Gastbeitrag aus Kohlscheid

Gemeindereferentin Monika Mann-Kirwan

Gastbeitrag Kohlscheid (c) Thomas Kempf
Gastbeitrag Kohlscheid
Datum:
So. 11. Okt. 2026
Von:
Franz-Josef Kempen

Zwischen Ernte und Aufbruch

Liebe Menschen in Christus unser Friede,

im Oktober sind die Tage manchmal noch  warm, vieles steht noch in voller Pracht, Gärten und Felder schenken ihre Ernte. Und gleichzeitig liegt morgens schon der Nebel über den Wiesen und dieser andere Geruch in der Luft. Das Licht verändert sich. Die Abende werden kürzer. Man merkt: Etwas geht zu Ende – und etwas Neues beginnt. 

Vielleicht passt diese Zeit gerade ganz gut zu uns. 

Mit dem neuen großen pastoralen Raum hat sich vieles verändert und wird sich noch verändern. Gemeinden, die lange ihre eigenen Wege gegangen sind, gehören nun enger zusammen. Jede bringt ihre Geschichte mit, ihre Traditionen, vertraute Orte, liebgewonnene Feste und vor allem Menschen, die sich über viele Jahre engagiert haben. 

Das ist eine reiche Ernte. 

Und vielleicht sollten wir sie erst einmal wahrnehmen, bevor wir zu schnell fragen, was nun alles anders werden muss. Was ist bei uns gewachsen? Was trägt? Was möchten wir unbedingt bewahren? Und was bringen die anderen mit, das wir bisher vielleicht noch gar nicht kennen? 

Natürlich ist Veränderung nicht nur aufregend. Sie kann auch verunsichern. Manches Vertraute wird sich verändern, manches vielleicht verschwinden. Nicht jede Entscheidung wird allen gefallen. Und vermutlich werden wir an der einen oder anderen Stelle auch feststellen, dass das Zusammenfinden schwieriger ist, als wir gedacht haben. 

Aber zusammenfinden heißt nicht, gleich zu werden. 

Vielleicht liegt gerade darin eine Chance: neugierig zu werden aufeinander. Ein Fest zu besuchen, das man bisher nicht kannte. Menschen zu begegnen, denen man sonst nie begegnet wäre. Eine Idee aus einem anderen Ort aufzugreifen. Oder festzustellen: Das, was uns wichtig ist, ist auch anderen wichtig – nur vielleicht auf eine ganz andere Art. 

Ernte und Aufbruch gehören zusammen. Wer erntet, hält nicht einfach nur fest, was gewesen ist. Ein Teil der Ernte wird zum Samen für das, was kommen kann. 

Noch wissen wir nicht genau, wie unser gemeinsamer Weg aussehen wird. Das müssen wir vielleicht auch noch nicht. 
Aber wir können entscheiden, wie wir ihn beginnen: mit Interesse, statt mit fertigen Urteilen. Mit dem Mut, Bewährtes mitzunehmen und trotzdem Neues zu versuchen. Und mit der Bereitschaft, einander zuzuhören. 
Vielleicht entdecken wir dann irgendwann, dass aus vielen vertrauten Wegen nicht einfach ein größerer geworden ist – sondern ein neuer.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Erntezeit

Monika Mann-Kirwan