Sechs Millionen Menschen kann man sich nicht vorstellen.
Sechs Millionen ist eine Zahl. Hinter dieser Zahl verbergen sich sechs Millionen Persönlichkeiten. Menschen, die lebten, arbeiteten, Freund*innen hatten, zu Familien gehörten, sich des Lebens freuten …. Ganz „normale“ Menschen.
Aber: Vor inzwischen 92 Jahren kam in Deutschland eine Partei an die Macht, die sich als Vertreterin einer „Herrenrasse“ bezeichnete. Alle anderen Menschen galten als „unwert“ und sollten vernichtet werden – wie Unkraut.
Sechs Millionen Juden fielen diesem Wahn zum Opfer – weil sie eines anderen Glaubens waren. Außer dem Volk der Juden sollten auch andere „störende“ Menschen vernichtet werden: Menschen mit Behinderung, Angehörige von Sinti und Roma, Menschen mit homosexueller Ausrichtung … und Menschen, die politisch anderer Meinung waren. Wenn man sie alle zusammenzählt, kommen mehr als sechs Millionen zusammen – aber die Juden bildeten tatsächlich den größten Anteil.
Solch eine riesige Menschenmenge kann man sich nicht vorstellen.
Aber: Es waren alles einzelne Menschen, einzelne Persönlichkeiten, die gerne leben, tanzen, Freunde haben und wohnen wollten.
Wie können wir uns an sie erinnern?
„Menschen möchten nicht, dass man sich an sie erinnert, weil sie in einem Konzentrationslager ermordet wurden. Menschen möchten, dass man sich an sie erinnert, weil sie nette Menschen waren.“1
In der Ausstellung werden Geschichten von einzelnen Persönlichkeiten aus unserer Region gezeigt und erzählt.
Wir möchten einigen der sechs Millionen so ein Gesicht geben … und zugleich sagen:
Jeder einzelne Mensch, der beeinträchtig, beschädigt, gar getötet wird auf dieser Welt, ist eine Person zu viel! Und: Jede*r muss seine Religion, seine Kultur und sein Leben leben können – im Rahmen von Freiheit und Demokratie.
1 Bertien Minco, Direktorin der Gedächtnisstätte Kamp Westerbork.